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12. Aug 2014

Stellungnahme zum Präsentationsabend 2014

Verfasst von

Im Rahmen unseres letzten Workshops im März diesen Jahres beschäftigten wir uns mit verschiedenen Formen ehrenamtlichen Engagements in Archangelsk und Halle. Der inhaltliche Schwerpunkt sowie der methodische Zugang lag allein in der Verantwortung der einzelnen Gruppen. Mit Bedauern stellten wir fest, dass die Vorstellung der russischen Organisation Здоровый образ жизни, ЗОЖ (ZOŽ) sowie deren Inhalte am Präsentationsabend, dem 29. März, Aufsehen erregte und bei einigen Gästen Empörung hervorrief. Dies nahmen wir zum Anlass, um den Vorfall ausführlich auszuwerten und Stellung zu beziehen: Wir bedauern, dass die genannte Präsentation uneindeutige und irreführende Rückschlüsse zuließ. Wegen der wenig differenzierten Sichtweise auf die Organisation ZOŽ und der fehlenden Abgrenzung von deren Inhalten wurde die verantwortliche Gruppe aus unserer Sicht dem eigentlichen Ziel des Workshops nicht gerecht. Aus diesem Grund möchten wir als Teilnehmende am interkulturellen Medienprojekt MediA=H ausdrücklich von den Inhalten der Organisation ZOŽ Abstand nehmen und uns bei allen Betroffenen für den zugemuteten Eindruck entschuldigen. Gleichzeitig bedanken wir uns bei allen Gästen für das kritische Mitdenken. Die Resonanz der Gäste hat eine fruchtbare Diskussion über die Präsentationsinhalte innerhalb der MediA=H Gruppe ausgelöst. Wir verstehen MediA=H als ein weltgewandtes Projekt, das sich durch die gemeinsame Arbeit mit kulturellen Kon- und Divergenzen in verschiedenen Bereichen der Lebenswirklichkeit von Deutschen und Russ_innen auseinandersetzt. Dass die Vielfalt von Lebensformen eine wesentliche Ressource einer Gesellschaft darstellt, gehört uneingeschränkt zu unserem Selbstverständnis. Unsere Zuwendung und Interesse gilt grundsätzlich allen Menschen und gerade deshalb sehen wir uns dazu ermutigt, zugeführtes Leid, Stigmatisierung und Ausgrenzung zu verurteilen. Wir lehnen jedwede Form der Diskriminierung aufgrund von Abstammung, Geschlecht, Sexualität und persönlicher Haltung zur Religion ab und nehmen aus Prinzip jene in Schutz, die davon betroffen sind! Daran orientiert sich unser Umgang mit diversen gesellschaftspolitischen oder ethisch-religiösen und oftmals der Sozialisation geschuldeten Anschauungen der MediA=H-Mitglieder. Zur Wahrung eines Menschen zugewandten Klimas erwarten wir von jedem Mitglied einen respektvollen Umgang mit den in diesem Absatz aufgeführten Prinzipien.

Mitglieder des interkulturellen Medienprojekts MediA=H

29. Mrz 2014

Perspektive Leerstand

Verfasst von

FREI statt LEER!

1.Leerstand in Deutschland – Halle

Viele ostdeutsche Städte zeichnen sich durch folgende Bilder aus: halbleere Gewerbegebiete, leer stehende Plattenbauten, heruntergekommene, verlassene Gründerzeithäuser. Die Tendenz der schrumpfenden Städte betrifft jedoch nicht mehr nur die östlichen Bundesländer, sondern hat sich bereits auf das gesamte Land ausgeweitet. Bis vor vier Jahren gehörte auch die Stadt Halle zu den Städten, die sehr stark von dieser Problematik betroffen war. Im Zeitraum von 1990 – 2010 ist hier die Einwohnerzahl von etwa 309.000 auf rund 230.000, also um ca. 25%, zurückgegangen. Diese Entwicklung hat ihre Spuren im Gesicht der Stadt hinterlassen: In der Innenstadt, sowie in Randgebieten begegnet man verlassenen, teilweise unter Einsturzgefahr stehenden, Häusern. Aber wie geht man mit dem Leerstand um? Aus der Sicht der Wirtschaft bedeutet der Begriff LEERSTAND eine stagnierende Ökonomie der Stadt. Schließlich stehen in Deutschland laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes vom April 2012 rund 3,5 Millionen Wohnungen leer, dies entspricht einer Leerstandsrate von 8,6 Prozent. Hinzu kommen Büro- und Gewerbeflächen. Andererseits sind diese Objekte in meinen Augen aus der Erscheinung der Stadt gar nicht mehr weg zu denken. Durch die Verschmelzung von moderner Architektur, sanierten Altbauten und verlassenen Gebäuden der Gründerzeit entsteht erst dieser gewisse Charme, den ich bei einer Stadt nicht missen möchte. Trotzdem muss man sich etwas einfallen lassen, um auch schrumpfende Städte zu lebenswerten Orten zu machen. Seit 2010 kann man im Onlineportal www.leerstandsmelder.de auf den Leerstand in der eigenen Stadt aufmerksam machen. Mit Fotos und Kommentaren zu Eigentümern, Nutzungsart und anderen Details können Mitglieder jede Menge ungenutzten Platz offenbaren. Diese Einträge werden durch Vereine oder Einzelpersonen, die dahinterstehen, überprüft. So wollen die Grьnder den Missbrauch der Plattform durch Falscheintrдge verhindern.

2. Welche Maßnahmen werden nun tatsächlich ergriffen?

Freiwillige schließen sich zu Initiativen zusammen, um den Leerstands-, Sanierungs- und Imageproblemen ihrer Städte und Stadtviertel zu begegnen.Manche konzentrieren sich dabei auf Sanierungsmaßnahmen, Errichtung von Spielplätzen und weiterer Attraktionen, um neue Mieter anzuziehen und die Stadtviertel finanziell wieder stark zu machen. Als Beispiel wäre hier das im Jahr 2007 entwickelte Stadtumbaumodell für Halle-Glaucha zu nennen, welches durch seine bezeichnenden Erfolge bundesweit bekannt geworden ist. Im Bundesbauministerium spricht man vom “Glaucha-Effekt”, die Stadtplaner nennen diese Strategie sogar das “Wunder von Glaucha”. Eine andere Lösung, dem Leerstand kreativ entgegenzuwirken, bieten Freiwilligengruppen mit der Methode der “Wächterhäuser”, die zum ersten Mal in Leipzig eingesetzt wurde und heute auch in Halle vertreten ist. Die Idee dieses Modells besteht darin, dass der Eigentümer des Hauses auf sein Nutzungsrecht (incl. Miete) für eine bestimmte Zeit komplett verzichtet. In dieser Zeit wird das Objekt von Bürgern, sogenannten “Wächtern”, bewohnt, die sich um die Instandhaltung des Hauses kümmern und die anfallenden Betriebskosten übernehmen. Davor muss die Stadt sicher stellen, dass das Haus bewohnbar ist und gegebenenfalls die nötigen Sanierungsmaßnahmen, wie zum Beispiel Reparaturen an Dachschäden, vornehmen. Für die Vermittlung zwischen den Hauseigentümern und Pächtern ist der Verein “Haushalten Halle e.V.” zuständig. Bei der nдheren Analyse des Projekts stellt man schnell fest, dass viele Künstler von diesen Häusern angezogen werden.Diese richten ihre Ateliers und Galerien in den Etagen der Wдchterhдuser ein. Und genau das führt zu dem für mich entscheidenden Punkt: die Erkenntnis, dass Leerstand auch eine starke positive Komponente mit sich bringt, in dem er Raum für kreative Entfaltungsmöglichkeiten bietet.

3. Perspektive Leerstand

Ungenutzte Geschäftslokale, verlassene Gebäude und brachliegende Flächen beflügeln die Fantasie: Was da alles passieren könnte! Genau das haben sich auch die jungen Organisatoren des Projekts „Freiraumgalerie Freiimfelde“ auch gedacht und erklärten die leere Stadt zu einer partizipativen Kreativitätsplattform. Leere Häuser, sowie Häuser im Sanierungszustand wurden zur Leinwand für die urbane Kunst. Freiimfelde hat den höchsten Leerstand in Halles Innenstadtbereich. 2005 standen 37 % der Bausubstanz leer. Rund 50% der Häuser zwischen der Landsberger Straße und der Freiimfelder Straße sind verlassen. Mehr als 60 internationale Künstler darunter Di Maggio, Grafiker aus Italien, der brasilianische Künstler Claudio Ethos gestalteten zusammen mit Künstlern aus Deutschland das trostlose Viertel in ein Freiluft-Atelier um. Die Fassaden von fast 20 Häusern wurden mit großflächigen Kunstwerken versehen. Bezeichnend für die Freiimfelde ist ein überdurchschnittlich hoher Anteil an MigrantInnen und auffällig viele junge Familien, die oft auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Durch unterschiedliche Aspekte, darunter eine ungenügende soziale Infrastruktur, gilt das Viertel als „sozialer Brennpunkt“. Das Projekt der Freiraumgalerie soll gleichzeitig zwei unterschiedlichen Parteien helfen. Einerseits soll die Masse an unfunktionaler Bausubstanz kreativen Akteuren und der gesamten Urban Art-Bewegung Freiräume bieten. Andererseits soll die urbane Kunst an leerstehenden Gebäuden eine aufwertende Wirkung haben. Durch ihre Werke setzen die Künstler einen kleinen Initialpunkt und stiften Gemeinsinn. So werden Punkte herausgefunden, an denen sich die Funktionen wieder bündeln könnten. Die Freiraumgalerie Freiimfelde ist ein positives Beispiel dafür, wie ein solidarisches Gemeinschaftskonzept realisiert werden konnte, indem man in dem sonst ungern gesehenen Leerstand eine unbeschriebene Leinwand für kreative Ausdruckskraft entdeckt hat.

Ab jetzt heißt es nur noch FREI statt LEER

Weiterführende Links:

http://www.deutschlandradiokultur.de/dem-leerstand-kreativ-entgegenwirken.954.de.html?dram:article_id=146990

http://www.mz-web.de/halle-saalekreis/halle-streetart-sorgt-fuer-farbrausch-im-osten,20640778,21263374.html

http://www.werkstatt-stadt.de/de/projekte/210/

http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article107301536/Neue-Website-zeigt-leere-Gebaeude-in-Staedten-an.html

http://kulturrisse.at/ausgaben/kunst-und-kohle/kulturpolitiken/perspektive-leerstand

http://www.staedtebaufoerderung.info/nn_941112/StBauF/DE/StadtumbauOst/Praxis/Massnahmen/Halle/Halle__node.html?__nnn=true

http://www.ich-will-wissen.de/fuer-schueler/leben-in-halle/freizeit-in-halle/waechterhaeuser/

http://hastuzeit.de/2012/vom-leerstand-zum-wohlstand/

Projektbericht2013_klein Konzept Freiraumgalerie Stadtentwicklung Halle kreative stadtentwicklung

1. Jan 2014

Auf ein Neues!

Verfasst von

Es ist wieder so weit: Wir beginnen mit den Planungen für die nächste Workshopwoche Ende März in Halle. Noch sind die Würfel nicht gefallen, wer Ideen hat, darf diese und sich gern einbringen :)
Wir freuen uns über neue Mitglieder- einzige Bedingung: Hauptsache nett!
Wir treffen uns nun wieder regelmäßig in unserem Büro, die Termine werden hier auf der Homepage veröffentlicht.
Bei Fragen einfach vorbeikommen oder eine Mail an medienprojekt.ah@googlemail.com schreiben.
Hoffentlich bis bald und einen guten Start ins neue Jahr wünschen wir euch!

5. Jun 2013

Präsentationsabend!

Verfasst von

Bald ist es soweit! Am 13.06. findet unser Präsentationsabend ab 20 Uhr in der Goldenen Rose statt! Dabei werden wir Euch die Ergebnisse unserer diesjährigen Workshopwoche in Archangelsk präsentieren. Nochmal ausdrücklich: das Thema war PROTEST! Man wird sich Photos betrachten, die Blogs und Artikel lesen, den Film ansehen sowie dem Podcast lauschen können. Um allen Sinnen Tribut zu zollen, wird es auch Wodka und leckere Piroggen in limitierter Edition geben, sowie alles, was die Rose sonst auch im Angebot hat. Kommt also zahlreich, begeistert Euch und trinkt ein Gläschen mit uns!

Donnerstag, 13.06.2013 ab 20 Uhr                                                                                                                                          Goldene Rose, Rannische Straße 19, Halle

15. Mai 2013

Zwei Tage in Moskau

Verfasst von

IMGP2660

Der Abschied am Bahnhof in Archangelsk fiel uns allen sehr schwer. Es dauerte dann auch eine ganze Weile, bis jeder umarmt und alle im Zug waren, die auch dort sein mussten. Beladen mit Fresstüten von unseren Gastfamilien konnten wir der 21-stündigen Fahrt entspannt entgegenblicken. Dieses Mal saßen wir etwas verteilt in einem Waggon, nicht so eng zusammen wie auf der Hinfahrt, was sich aber als nicht so schlimm herausstellte. [ Weiterlesen ... ]

13. Mai 2013

Bericht 5. bis 8. Tag

Verfasst von

5. Tag (23.04.)

Am Morgen besuchten wir die Schule Nr. 14, um uns für die tolle Stadtführung zu revanchieren und den Austausch weiter voranzutreiben. Nach einem gegenseitigen Kennenlernen, welches paarweise stattfand, präsentierte uns einer der Schüler die Ergebnisse eines klasseninternen Brainstormings zum Thema Protest. Dabei zeigte sich wieder sehr deutlich, wie unterschiedlich die Assoziationen dazu bei Russen und Deutschen sein können. Interessanterweise erwähnten viele ein ‘Anklagebuch’, welches z.B. in russischen Supermärkten ausliegt, um den Kunden die Möglichkeit zu geben, Beschwerden oder Unzufriedenheit mit dem Service direkt niederzuschreiben. [ Weiterlesen ... ]

11. Mai 2013

Ausflug nach Malyje Korely (Малые Корелы)

Verfasst von

IMGP2559

Am Morgen nach unserem Abschlussabend an der Universität machten wir uns per Bus und Jeep auf den Weg nach Malyje Korely, einem Freilichtmuseum 25km entfernt von Archangelsk. Dort befinden sich auf einer riesigen Fläche an die 100 Kirchen, Wohnhäuser, Schuppen, Verwaltungsgebäude und Windmühlen, die allesamt in der traditionellen russischen Holzarchitektur errichtet sind. [ Weiterlesen ... ]

26. Apr 2013

Protest gegen das Bildungsystem in Deutschland und Russland

Verfasst von

Verfasst von Robert

Protest gegen Bologna in Deutschland – eine verfehlte Bildungsreform?

Die deutschen Studenten von heute protestieren kaum noch. Sie feiern, saufen, erfreuen sich des Lebens, und kommen ganz nebenbei noch zum Studieren. Vor allem können sie sich kaum richtig über etwas aufregen, und wenn doch, bringen sie kaum den Mut und die Kraft auf, um auf den Campus oder gar die Stadt unsicher zu machen. Was ist noch von der Wut der 68er Studentenbewegung geblieben? Nichts. Vor allem könnte man fragen: Was ist das für eine merkwürdige Generation, die da die Universitäten füllt? Eine Generation der Angepassten, die zu einem ewigen Dornröschenschlaf verdammt ist? [ Weiterlesen ... ]

26. Apr 2013

Bericht 1. bis 4. Tag

Verfasst von

Verfasst von Jens

1. Tag (19.04.):

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem Schläfchen in den Gastfamilien trafen wir uns in den Räumen der philologischen Fakultät der Universität wieder, wo wir noch einmal offiziell begrüßt wurden. Selbstverständlich gab es dabei auch Getränke und Süßigkeiten. Nach einigen Kennenlernspielen machten wir uns auf den Weg zur Doblolubovskaja-Bibliothek zur Nacht der Bibliotheken. Diese Veranstaltung schien auch bei den Bürgern von Archangelsk gut anzukommen, man kann jedenfalls behaupten, dass sie gut besucht war. In einem Veranstaltungssaal der Bibliothek fand ein Konzert statt, bei dem wir kurz reinschauten. Die erste Band war eine Art russischer Folkband mit vielen verschiedenen Instrumenten und weiblichem Gesang. Den meisten gefiel es sehr gut, was man nicht von dem Herren mit der Akustikgitarre sagen kann, der als nächster die Bühne betrat. Selbst die Russen konnten sich nicht darauf festlegen, ob er ein russischer Bob Dylan-Verschnitt oder eine Parodie sein sollte.

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26. Apr 2013

Interview mit dem Historiker Boldirew Roman Jurevitsch

Verfasst von

DSCF5677

Heute hatten wir die Chance, den auf deutsch-russische Beziehungen spezialisierten Historiker Professor Roman Boldriew Jurevitsch, der an der der nördlichen arktischen föderalen Universität Archangelsk lehrt, zu den Themen “Protest”, “die aktuelle politische Lage”, “russische Protestgeschichte” und “deutsch-russische Stereotype” zu befragen. [ Weiterlesen ... ]


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