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5. Mai 2011

Besuch der Schule 45

Verfasst von

Besonders gespannt habe ich den Besuch der Schule 45 erwartet. Wie werden die Schüler uns empfangen? Wie stehen sie dem Thema Toleranz gegenüber?

In der Schule 45 trafen wir auf eine 9. Klasse. In Russland absolvieren die Schüler ihre neunjährige Schulpflicht in der Regel gemeinsam an einer Schule. Nach dieser Hauptschulreife kann eine Oberschulstufe oder eine Berufsschule besucht werden. So erhalten die Schüler meistens nach der 11. Klasse ihr „Reifezeugnis“, welches sie zur Studienaufnahme berechtigt. Anders als in Deutschland werden die Studienplätze dabei nicht nach der Durchschnittsnote vergeben. So viel zum russischen Schulsystem!

In Russland tauscht man beim Betreten der Schule die Straßenschuhe gegen „saubere“ Schuhe. Da es in den höheren Klassen keine Schuluniform gibt, werden die Schüler angehalten sich elegant zu kleiden. Dieser „Dresscode“ prägt das Schulbild.

In der Klasse angekommen, wurden wir herzlich von den Schülern und auch Lehrern empfangen. Nach einem kurzen Wam-up zum Kennenlernen stellten wir den Schülern unsere gemachten Fotos zum Thema Toleranz vor. Sie beschrieben uns ihre Eindrücke und wir diskutierten gemeinsam. Danach baten wir die Schüler ein Bild von etwas typisch Deutschem zu malen. Mit dieser Aufgabe wollten wir versuchen vorhandene Stereotype zu analysieren und zu reflektieren. Wie erwartet malten die Schüler einen Bayern, eine Wurst, Bier, aber auch eine gotische Kathedrale. Mich erstaunte, wie reflektiert die Schüler ihre Bilder vorstellten. Sie erklärten, dass diese Vorstellungen durch das Fernsehen und Bücher vermittelt werden, aber dass diese nicht zu verallgemeinern seien. Außerdem hatten sie ein erstaunlich breites Wissen über Deutschland, besonders was Architektur bzw. Kultur angeht. Jedoch neigten auch die Schüler der Schule 45 dazu Bayern mit ganz Deutschland gleichzusetzen. Nach unserem Gespräch stellten uns die Schüler noch viele Fragen über Deutschland, besonders über deutsche Musik, Filme und Schauspieler. Abschließend hatten die Schüler noch einige zum Teil auch deutsche Gedichte und Lieder vorbereitet, welche sie uns eindrucksvoll präsentierten.

Dieser Besuch ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Zu sehen, wie interessiert die Schüler an Deutschland sind, aber auch wie diszipliniert sie sich in der Schule verhalten, fand ich sehr erstaunlich. Ich würde mir wünschen, dass in deutschen Schulen auch Russland mehr thematisiert wird, so dass unsere Schüler einen größeren Eindruck von diesem Land bekommen und ein gleichwertiges Wissen entwickeln.

Foto: Franziska Samos

Foto: Franziska Samos

Foto: Franziska Samos

Foto: Franziska Samos

Foto: Franziska Samos

Über Christiane Seidel

  • Student/in
  • Ich studiere seit Herbst 2010 an der MLU IKEAS (Frankreich- und Russlandstudien) und Politikwissenschaft. Ich bin seit fast drei Jahren bei MediA=H und freue mich, nun wieder in Archangelsk zu sein.

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