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8. Mai 2011

Archangelsker Intoleranz

Verfasst von

Den gestrigen Besuch beim regionalen archangelsker Radiosender “Pomorje” nutzten wir, um den Journalisten Nikolai danach zu fragen, was er über das Thema Toleranz denkt und auf welche Weise sich Intoleranz in Archangelsk äußert.

Nastja übersetzt für den Journalisten Nikolai; Foto: Nikolaus Weihe

Nastja übersetzt für den Journalisten Nikolai; Foto: Nikolaus Weihe

“Die Menschen hier im russichen Norden,” sagt Nikolai, “haben ihre ganz eigene Mentalität.” Vielleicht ist es ein Relikt der gleichmacherischen Politik und Gesellschaftsordnung in der Sowjetunion, dass die Leute hier scheinbar versuchen, nicht aus der Masse hervorzustechen und sich stattdessen möglichst unauffällig zu verhalten. Alles was auffällt, alles was anders ist, birgt das Potential einen Konflikt hervorzurufen.

Als Beispiel führt Nikolai die schwarzen Studenten an, die hier in Archangelsk z.B. an der technischen und der medizinischen Fakultät studieren. Die Afrikaner und Afroamerikaner verhalten sich eher offen, aktiv und auch laut. Für Russen erscheint dies häufig als eine Provokation. Rassistisch motivierte gewaltsame Übergriffe – wie etwa in Moskau und Sankt-Petersburg – gibt es in Archangelsk aber nicht. Generell sind ethnische Konflikte im archangelsker Oblast im Gegensatz zu anderen russischen Provinzen nicht anzutreffen.

Intoleranz ist jedoch nicht nur bei der Mehrheitsbevölkerung gegenüber Immigranten zu beobachten. Auch Zugewanderte zeigen sich intolerant gegenüber russischen Verhaltensweisen. So kommt es zum Beispiel vor, dass immigierte Kaukasier, etwa aus Aserbaidschan, Russinen als leichte Mädchen betrachten, weil sich viele von ihnen gern etwas offensiver und aufreizender kleiden.

Die großen Probleme sieht Nikolai aber an anderer Stelle. Die Russen seien ihrer schlechten Lebensumstände, der ständigen Reformen und gesellschaftlichen Missstände überdrüssig und mit der Politik ihrer Regierung unzufrieden. Anstatt die Gesellschaft und jeder Einzelne versuchen zur Bewältigung der Herausforderungen beizutragen, sind alle über ihre Situation nur frustriert.

Über Tobias König

  • Hey, ich bin Tobias und gerade zum ersten Mal in Archangelsk. In Halle studiere ich seit 2007 Politikwissenschaft und Arabistik / Islamwissenschaft. Neben der Uni moderiere ich bei Radio “Corax” und helfe dabei den Jugendaustauschs zwischen Halle und Ufa zu organisieren. Auf einem Schüleraustausch nach Sankt-Petersburg habe ich mich so sehr in Russland verliebt, dass ich später ein ganzes Jahr als Freiwilliger in Ufa verbracht habe.

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